In eigener Sache

Ich schloss die Haustür auf, hinter mir lag eine stundenlange Autofahrt. Es war ein tolles Shooting in Aachen, doch auch ein sehr anstrengendes. Die drückende Schwüle des Sommertages hat sich trotz der fortgeschrittenen Stunde nicht gelegt, im Gegenteil. Mir klebte das Shirt am Körper, mein Körper war erschöpft, ich wollte nur noch ankommen. Ich stellte meine Kameratasche ab, betrat das Wohnzimmer. Meine Kinder freuten sich, mich zu sehen, sprachen zu mir, doch… ich verstand kaum was! Diese Hörbeeinträchtigung fing schon beim Shooting an, doch ich tat das als ein kurzfristiges Kreislaufproblem ab. Kein Wunder bei dem Wetter. Doch nun bekam ich Gewissheit: ich hatte einen Hörsturz.

Für diejenigen, die es nicht kennen. Ein Hörsturz (oder auch Ohrinfarkt) ist ein plötzlich auftretender, meist einseitiger Hörverlust. Die genaue Ursache ist nicht bekannt, es wird aber angenommen, dass Stress auch ein auslösender Faktor sein kann.

In all den Jahren war dies nun schon mein dritter Hörsturz, und bei allen hatte ich eben Stress. Woher kam er diesmal? Nun, zum einen stresst mich der Sommer. Das mag sich vielleicht für den einen oder die andere merkwürdig anhören, ist doch der Sommer toll. Es ist warm und lange hell, alles ist so schön bunt… wie kann da Stress entstehen? Nun, jeder, der mich kennt, weiß, dass ich den Sommer hasse! Eben aus den oben genannten Gründen. Ich mag es nicht warm (für mich ist die Grenze zur Hitze schnell erreicht) und auch nicht die Helligkeit. Im Gegenteil, ich liebe die Dunkelheit, die Kühle eines nebeligen Herbsttages, an dem es tagsüber nie so richtig hell wird. Die ganze Welt ist still, kommt zur Ruhe (im Sommer wird bis spät in der Nacht Gartenpartys gefeiert und gegrillt).

Zu diesem Sommerstress kam dieses Jahr leider auch einige familiäre Schicksalsschläge hinzu. Und wäre das nicht genug, wollte ich noch so viele Shootingtermine wie möglich wahrnehmen, die ich mit Models schon lange geplant hatte. Das zusammen war wohl doch etwas zu viel.

Nun, was ist die Konsequenz daraus? Zum einen werde ich ab nächstes Jahr meine Shootings reduzieren. Ich will das an keine Zahlen festmachen. Wenn ich merke, dass es stressig wird anstatt Spaß zu machen, muss ich etwas kürzertreten. Und dann habe ich mir überlegt, so wie im Dezember, im Sommer eine Shootingspause einzulegen. Auch da werde ich flexibel bleiben, auch da kann mal ein Shooting stattfinden. Ich werde einfach mehr auf meinen Körper hören (müssen) als vorher.

Denn, seien wir mal ehrlich… ich bin nicht mehr der Jüngste. 😉

Ich hoffe sehr, dass meine Entscheidung verstanden und respektiert wird. Meine Ambition war und ist es immer noch, Fotos zu machen, die aus meiner Sicht eine gewisse künstlerische Note haben. Und das geht nur, wenn ich frei von Druck an die Sache gehe.

Und ich weiterhin Anfragen von Models bekomme…

In diesem Sinne: wir sehen uns…

Nachtrag: dieses passierte schon im Hochsommer, ist also schon etwas länger her. Hatte ich wohl verpasst zu erwähnen (ja, ja, das Alter…). Trotzdem Danke an die vielen Genesungswünsche, die mich von überall erreichten. 🙂